Der Zirkus ist da!

Montag, 12.6.17

Der Zirkus ist da! Die Wagenburg auf dem Fußballplatz zog am Morgen so viel Interesse auf sich, dass sogar das beliebte Frühgedränge vor der Schultür ausfiel. Die Stimmung auf den Fluren war voller Vorfreude, und wie sehr sich das vierjährige Warten auf den Zirkus gelohnt hatte, zeigte sich dann in den zwei Aufführungen, zu denen wir in die Turnhalle eingeladen waren. Einen zwanzig Meter langen Dackel in die Manege zu heben war eine der ersten Aufgaben für unsere Zirkuskinder, und Neeltje aus der 2c gelang es das fantastische Tier namens Rudi in eben den Kreis zu heben, welcher der Mittelpunkt unserer Woche sein wird.

Die Aufführung durch die Zirkustrainer zeigte dann neben etlichen Höhepunkten auch solche des Menschseins, denn wir müssen ja lernen Dinge zu üben, die wir niemals vorher konnten, wir werden trainieren und uns anfeuern, uns nicht herabsetzen und jede Leistung mit Applaus anerkennen. In eine Mitte zu treten und vor so vielen anderen aufzutreten, das haben alle erkannt, ist eine große Leistung.

Dienstag, 13.6.17

Heute begann das Zirkustraining, und von der ersten bis teilweise zur sechsten Stunde liefen Kinder durch die Schule und suchten und fanden ihre Übungsräume. Die Zauberer sind in der Aula, die Clowns im Musikraum, die Fakire im Medienraum, die Jongleure, Artisten und Bodenakrobaten in der Turnhalle.

Die Elternhilfe wurde durch Zirkusdirektor David in der Turnhalle organisiert und eingewiesen, und dann von jedem Trainer noch einmal individuell in die Gruppe aufgenommen. Alles lief so ungestört und in größter Ruhe ab, dass man die hohe Professionalität der Trainer nur bewundern konnte. Denn natürlich gab es auch hier und da mal Tränen, weil man sich eine bestimmte Zirkuskunst erhofft hatte und nun eine andere trainieren muss. Aber, die Vorhersage wird sich morgen bestimmt erfüllen, man muss die Aufgabe und den kommenden Auftritt auch erst einmal an sich heranlassen, bevor man genau sagen kann wir schwer und besonders das sein wird.

Mittwoch, 14.6.17

Das große Zelt steht nun fertig auf dem Fußballrasen, und erste Trainingsgruppen konnten heute die echte Manege erproben und dabei die richtige Zirkusluft schnuppern. Im Verlaufe der weiteren Tage werden alle Gruppen mindestens einmal in der Manege üben, bis dann am Freitag der Auftritt sitzen muss. Dabei geht es sehr ins Detail, wenn etwa bei den Clowns der Zusammenhang von Tat, Bewegung und Musik koordiniert wird. Was am dritten Tag besonders auffiel und vielfach berichtet wurde, waren die erstaunlichen Fortschritte, welche die Kinder in ihren Gruppen gemacht hatten. Die Fakire diskutierten fachkundig die Vorzüge von Glasscherben und Nägeln, bei den Zauberern, die auf absolute Verschwiegenheit eingeschworen sind, klappten die Tricks schon reibungslos, die Jongleure wirbelten Dinge durch die Luft, Seiltänzerinnen sah man schon rückwärts über das Seil laufen, und die Akrobaten gaben sich kundig Hilfestellung. Vieles sieht schon beim Üben ganz beeindruckend aus, und man kann ahnen, ja eigentlich jetzt schon wissen, dass wir uns auf großartige Vorstellungen freuen können.

Donnerstag, 15.6.17

Heute war der Tag der Geheimnisse, denn die Fakire hatten die Tür zum Medienraum fest verschlossen und erlaubten keine Probenbesucher. Die Zauberer, ohnehin immer hinter sorgfältig zugezogenen Vorhängen in der Aula verborgen, feilten an der Technik ihrer Tricks, damit der poetische Funke des Zauberns lodern kann. Die Clowns im Musikraum waren hocherfreut, als Dr. Karwath zufällig zur Tür hereinkam, denn sie suchten gerade einen willigen Erwachsenen um ihn in ihre Nummer einzubauen. Die Bodenakrobaten und Jongleure hatten einen besonderen Tag, denn sie waren heute mit der Zeltprobe dran. 350 leere Stühle sind selbst dann beeindruckend, wenn sie nur stumm da stehen, und so wurden nur die Stühle Zeugen der geheimen Auftrittszeichen und dem stillen Gang zur weißen Kammer, in der man dann vermutlich aufgeregt auf seinen Auftritt wartet.

Bei den Artisten gab es atemberaubende Balanceakte zu sehen, noch zusätzlich erschwert durch Ringe und anderes Zubehör. Wir wollen ja auch nicht zu viel verraten. Eines ist nach diesen Tagen völlig klar, Zirkus heißt üben, üben, üben, mit harter Arbeit eine leichtfüßige Präzision erreichen, die der gut gelaunte Zuschauer während der Vorstellung wohl nur darum als Kenner wird beurteilen können, weil ihm ein junger Artist oder eine Clownin, Akrobat oder Fakirin, Jongleurin oder Zauberer davon am Küchentisch oder beim abendlichen Lesen berichtet hat. Sonst würde man das nicht wissen.

Freitag, 16.6.17

Heute war der Tag der Generalproben, und die Aufregung erreichte ihr höchstes Niveau. "Jetzt sind wir am Siedepunkt", sagte einer der Trainer, und das war eine gute Zusammenfassung. Die Stimmung war immer noch erstklassig und fröhlich und friedlich.

Vor der Premiere waren die Sponsoren und Honoratioren in den Innenhof der Schule eingeladen zu einem Büfett. Danach starteten die Klassen SKG, 2d und 4d um 18.00 Uhr den Reigen der Aufführungen.

Samstag, 17.6.17

Am Samstag traten um 10.30 Uhr die Klassen 1b, 2a und 3a, um 14.30 die Klassen 2b, 3d und 4c, um 18.30 die Klassen 1a, 2c und 3c auf.

Man kann diese Aufführungen eigentlich nicht in Worte fassen. In den Gesichtern der Kinder zeigte sich Angst und Vorfreude, Sorgen und Zuversicht, Hoffnung und Wissen, dann Freude und strahlende Leichtigkeit. Der Blick, selbst in höchster Gefahr mitten in der Aufführung, suchte für Sekunden den Trainer, die Eltern, die Lehrer, die Klasse. Viel mehr kann man in Sekunden an menschlichen Gefühlen nicht verpacken. Natürlich ist der Applaus der Lohn dafür, aber das Gefühl das geschafft zu haben wird noch lange wirken wenn schon alles andere verklungen ist. Das war für uns Zuschauer nicht nur großartig, das war bewegend.

Sonntag, 17.6.17

Mit den Aufführungen der 1c, 3e und 4a um 10.30 Uhr und der 1d, 3b und 4b um 14.30 endete heute die Zirkuswoche. Das Wetter konnte schöner nicht sein, und die Begeisterung im Zelt und die Temperaturen hielten sich vermutlich die Waage.

Ein ganzes Grundschulleben, von der Einschulung bis zur vierten Klasse müssen wir nun warten, bis wir die tausend Träume wieder träumen dürfen. Natürlich kann man den Entscheidungen der zuständigen Gremien nicht vorgreifen, aber mit dem zweiten Zirkus auf dem Schulhof hat sich ja fast schon eine Tradition gebildet, die man nicht leichtfertig aufgeben sollte.

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei unseren tollen Zirkuskinder, bei den Trainern und Zirkusmachern, bei den helfenden Eltern und den Eltern überhaupt, bei Frau Bölts und Frau Hoyn für die komplizierten guten Pläne, bei den ermutigenden Lehrkräften und Mitarbeiterinnen, bei Frau Tapken und Frau Bartels und Herrn Burke, den Sponsoren und überhaupt bei allen, die das möglich gemacht haben. Es war eine tolle Woche. Nun können die Ferien aber auch kommen. Zweihundert Tage Schule, sieben Tage Zirkus sind vorbei. Nun sind unsere Gedanken schon bei den Vierten, die uns verlassen, und bei den Ersten, die zu uns kommen, und bei allen dazwischen. Kar

Oh, Ah, Boah ey!